Die Presse | Pressestimmen

21. November 2009

Das ehrgeizige Projekt Festspielhaus Bonn ist auf halber Strecke ins Stocken geraten. Die Deutsche Post AG, die für die drei Bauherren Post, Postbank und Telekom federführend mit dem Projekt betraut ist, wartet erstmal die von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch für den Mai 2010 anberaumte Bürgerbefragung ab, ehe konkrete Schritte zum Bau des Festspielhauses vollzogen werden. Somit würde die Fertigstellung des Baus sich um ein Jahr verzögern (2014 statt 2013). Man kann es drehen und wenden: Durch den Entschluss der Deutschen Post AG fällt ein dunkler Schatten auf das Projekt. Was einmal nach hinten geschoben wird, könnte sich am Ende als Luftschloss entpuppen, wie die Grünen das Festspielhaus bezeichnen. Jürgen Nimptsch hat das Quorum hoch angesetzt: Sollten sich 70 Prozent der befragten Bürger gegen den Bau aussprechen, zieht sich die Stadt Bonn aus dem Projekt zurück. Das wäre dann das sichere Aus für das Festspielhaus, mit dem sich die Beethovenstadt Bonn langfristig als Musikfestival-Standort weltweit etablieren möchte - in Augenhöhe mit Salzburg und Bayreuth. Außerdem würden dann auch Bund, Land, Rhein-Sieg-Kreis und weitere Sponsoren wie die Kulturstiftung der Sparkasse Köln / Bonn ihre zugesagten Mittel für die geplante Festspielhaus-Stiftung (allein 39 Millionen Euro vom Bund) abziehen.

Knackpunkt ist auch die in Bonn unter Bürgern immer stärker zu spürende Ablehnung des notwendigen Abrisses der 50 Jahre alten Beethovenhalle, auf deren Gelände das Festspielhaus mit großem (1400 Plätze) und kleinem (600 Plätze) Konzertsaal gebaut werden soll. Alle Experten sehen hingegen die Tage der in Teilen maroden und mit einer dürftigen Akustik versehenen Beethovenhalle gezählt. „Die Halle ist für hochrangige Musikveranstaltungen nicht nachhaltig konkurrenzfähig", fasst Stadtdirektor Kregel das Votum der Experten zusammen. Beethovenfest-Intendantin Ilona Schmiel, die zu den größten Befürwortern des Festspielhauses zählt, gibt sich angesichts der Verzögerung erstmal gelassen. Gegenüber der Rundschau meinte sie gestern: „Wir planen unsere Programme mit einem mehrjährigen Vorlauf und sind so flexibel, dass wir die Spielstätten Beethovenhalle, eine Übergangsspielstätte und das Festspielhaus mitdenken. Allerdings darf die Entscheidung nicht allzu sehr verzögert werden." (Kölnische Rundschau, 21.11.2009)

Nachdem der General-Anzeiger berichtet hatte, dass der Spatenstich zum Bau des Beethoven Festspielhauses in Bonn soll von Sommer 2011 um ein Jahr auf den Sommer 2012 verschoben werden soll, fielen die Reaktionen in Bonn unterschiedlich aus. In einer ersten Reaktion hob am Freitag der Leiter der städtischen Festspielhaus-Projektgruppe, Stadtdirektor Volker Kregel, noch einmal die Bedeutung der Bürgerbeteiligung hervor. "Auf dem Weg zum Festspielhaus müssen wir die Menschen mitnehmen", sagte er. Kregel ist wie Nimptsch ein Befürworter der Festspielhaus-Idee.
Die Bonner Stadtspitze sieht das Angebot der Bonner Unternehmen, ihnen das Projekt auf ihre Kosten zu bauen, als eine "nicht wiederkehrende Chance für die nationale und internationale Beethovenpflege in der Geburtsstadt des Komponisten", hieß es in einer Erklärung Kregels. Die alte Beethovenhalle sei "für hochrangige Musikveranstaltungen nicht nachhaltig zukunfts- und konkurrenzfähig".

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Benedikt Hauser vermisst bei der geplanten Bürgerbefragung eine "solide Entscheidungsgrundlage". Hauser: "Es wäre zunächst notwendig gewesen, die Rahmenbedingungen für das Festspielhaus festzustellen, bevor man Bürgerbefragungen durchführt." Die CDU sei grundsätzlich für eine Befragung, aber erst wenn wichtige Fragen geklärt seien. Unter anderem müsse man wissen, wie das Betriebskonzept aussehe und wie ein "unkalkulierbares Risiko und finanzieller Schaden" vermieden werden könnten. Bernhard Wimmer vom Bürger Bund Bonn sagte: "Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass die drei Daxe, die schon erhebliche Summen zu Gunsten der Stadt Bonn vorgeleistet haben, nun auf die Bremse treten. Niemand kann angesichts der wirtschaftlichen Situation erwarten, dass sie wegen der unsicheren Lage riskieren, noch mehr Geld möglicherweise in den Sand zu setzen. Wenn das Projekt scheitern würde, wäre das aus meiner Sicht für die Stadt ein Desaster, denn das Festspielhaus hätte für Bonn eine viel höhere Bedeutung als das leidvolle WCCB, das manche fälschlich als das Zukunftsprojekt Nr. 1 ansehen."

"Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass das Festspielhaus die Attraktivität von Bonn erhöhen wird", sagte Vorstandschef Frank Appel in einem Interview mit dieser Zeitung. Dass die planerischen und architektonischen Tätigkeiten sowie die Arbeit für die Gründung einer Stiftung ungeachtet der angestrebten Bürgerbefragung fortgesetzt werden, wurde am Freitag noch einmal durch einen Unternehmenssprecher bestätigt. (General-Anzeiger Bonn, 21.11.2009)

Zurück zur Übersicht