20. November 2009
Der Bau des umstrittenen Beethoven- Festspielhauses in Bonn wird sich voraussichtlich
deutlich verzögern. Der neue Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) plant eine Bürgerbefragung im Zuge der nordrhein-westfälischen Landtagswahl am 9. Mai 2010. Deswegen treffen die drei Bonner Großunternehmen Deutsche Post DHL, Postbank und Telekom, die den Bau finanzieren sollen, vorerst keine wichtigen Entscheidungen wie die Auswahl des Architekten. Das bestätigte der Festspielhaus-Beauftragte der Deutschen Post, Prof. Manfred Harnischfeger, am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Bonn.
Nimptsch will das Projekt aufgeben, wenn 70 Prozent der Wähler es ablehnen. Der Bau ist in Bonn umstritten, weil das bisherige Konzept den Abriss der Beethovenhalle und einen kostspieligen Neubau vorsieht. Der Vorstandschef der Deutschen Post, Frank Appel, und das Unternehmen stehen laut Harnischfeger «uneingeschränkt» weiter zu dem Großprojekt. «Es wird aber vorerst keine definitiven Entscheidungen oder Grundsatzentscheidungen geben.» Zuvor werde die Bürgerbefragung abgewartet. Die planerischen und architektonischen Tätigkeiten sowie die Arbeit für die Gründung einer Stiftung würden aber ungeachtet der angestrebten Bürgerbefragung fortgesetzt.
«Auf dem Weg zum Festspielhaus müssen und wollen wir die Menschen mitnehmen», sagte Stadtdirektor Volker Kregel, der wie Nimptsch erklärter Befürworter der neuen Konzertsäle ist. Für einen Erhalt der 50 Jahre alten Beethovenhalle seien in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe notwendig.Die Halle sei für hochrangige Musikveranstaltungen nicht nachhaltig zukunfts- und konkurrenzfähig. «Das Angebot für den Bau durch Unternehmen ist eine riesige Chance für Bonn», sagte Kregel. Er würdigte vor allem die bisherigen Leistungen der Post AG für das Festspielhaus. Der Bonner Konzern habe das Projekt mit großer Leidenschaft vorangetrieben, dafür erhebliche finanzielle und personelle Mittel eingesetzt und einen Architekturwettbewerb ermöglicht, der dazu führe, dass - ganz gleich für welchen der beiden noch im Wettbewerb
verbliebenen Entwürfe man sich entscheide - Weltklasse-Architektur und Weltklasse-Akustik miteinander vereinbart würden. Die jetzt präzisierte Position der Post sei auch ein Ausdruck des Respekts vor der politischen Meinung der Bürgerschaft. (dpa, 20.11.2009)
Der Baubeginn des Bonner Beethoven Festspielhauses wird sich um ein Jahr auf das Jahr 2012 verzögern. Bis zum Ergebnis der von OB Jürgen Nimptsch (SPD) für kommenden Mai geplanten Bürgerbefragung zum Festspielhaus will die Deutsche Post DHL alle Vorbereitungen auf Eis legen. Beschlossen wurde dieser Schritt gestern in einem internen Spitzengespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens, Frank Appel. Davon betroffen sei auch der Zeitpunkt der Benennung des Siegerentwurfs, der auf Herbst 2010 verschoben werde. (General-Anzeiger Bonn, 20.11.2009)
Riskanter Weg
Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch ist ein erklärter Befürworter eines Beethoven Festspielhauses für seine Stadt. "Die Chance, dass uns Unternehmen quasi kostenlos ein prachtvolles Festspielhaus an den Rhein stellen, bekommen wir so schnell nicht mehr", sagte er vor kurzem dieser Zeitung. Jetzt steht er plötzlich als Bremser da. Wegen der von ihm initiierten Bürgerbefragung, die im Zusammenhang mit der NRW-Landtagswahl im Mai nächsten Jahres durchgeführt werden soll, hat die Post jetzt alle Planungen auf Eis gelegt, was den Baubeginn verzögern wird.
Nimptsch geht mit der Bürgerbefragung einen riskanten Weg. Nach diesem Termin könnte er einerseits als Totengräber des Festspielhauses dastehen, bei positivem Ausgang aber auch als jemand, der dieser Vision eine Verankerung in der Bevölkerung gegeben hätte. In beiden Fällen aber muss sich Nimptsch die Frage gefallen lassen, ob er mit der Umfrage einem Projekt, dessen Bedeutung für Bonn nicht hoch genug einzuschätzen ist, gerecht werden kann. Die Zukunft des Festspielhauses macht er abhängig von der Momentaufnahme eines Stimmungsbildes. Nimptsch will das Projekt freilich erst aufgeben, wenn 70 Prozent der Wähler dagegen sind. Wo die Bonner Unternehmen die Grenze ziehen, ist völlig offen. Sicher aber ist, dass die Stadt bei negativem Ausgang 20 Millionen Euro für die Sanierung der Beethovenhalle aufbringen muss und 39 Millionen Euro vom Bund für die Stiftung Beethoven Festspielhaus vergessen kann. (Kommentar GA vom 20.11.2009)