8. Februar 2010
Eine Mischung aus Partykeller und Fabrik
Der General-Anzeiger hat hinter die Kulissen der Beethovenhalle geschaut. Auszüge aus dem umfassenden Beitrag:
An der Beethoven-Halle scheiden sich die Geister: Die einen wollen die von Architekt Siegfried Wolske errichtete Halle abreißen - vor allem mit Blick auf die mit wohl deutlich mehr als 20 Millionen Euro bezifferten Sanierungskosten - und an ihrer Stelle das von Post, Telekom und Postbank gesponserte neue Beethoven-Festspielhaus errichten. Die anderen, hier vor allem die Bürgerinitiative pro Beethovenhalle, kämpfen für den Erhalt des Gebäudes, das ihnen als wichtiges architektonisches und von daher denkmalgeschütztes Zeugnis der jungen Bundesrepublik am Herzen liegt.
Der Rundgang ist auf Wunsch des General-Anzeigers zustande gekommen. Die Redaktion wollte sich selbst ein Bild vom Zustand der Halle machen. Neben Gutachter Sommerey begleitet die Redakteure Katharina von Hodenberg, Mitarbeiterin von Beethoven-Fest-Intendantin Ilona Schmiel. Die beiden sind zu Beginn des Rundgangs Gegenpole: Schlecht gedämmte Türen am großen Saal und am sogenannten Studio beeinträchtigen den musikalischen Genuss, bemerkt von Hodenberg. "Die Halle wird schlechtgeredet", hält Sommerey dagegen, nachdem er Foyer, Toiletten und Nebensäle begutachtet hat.
Was dann folgt, hat was von einem Schlüsselerlebnis, das Sommerey am Ende zu der Schlussbemerkung veranlasst: "Die Halle ist als Konzertsaal nicht geeignet." Denn was der wohlgesonnene Konzertbesucher vor der Bühne noch mit einem Hui quittieren könnte, können die Musiker backstage - hinter der Bühne - nur mit einem entschlossenen Pfui erwidern, gibt Sommerey nach dem Rundgang von Hodenberg Recht.
Ein Beispiel: die Umkleiden und Pausenräume der Orchestermusiker. Eine Atmosphäre wie in einem Keller. Metallspinde, alte Tische und Stühle, nackte Wände, die Musiker schieben sich in engen Gängen und auf Treppen aneinander vorbei, einer kocht mangels Platz auf dem Fußboden Kaffee, ein Abstellraum dient als Teeküche. Ein weiteres Beispiel: Die "Stargarderobe". Neben der Tür ein einfacher Kleiderschrank, ein Klavier, ein Etwas von einem Schminktisch, von wo aus man hinaus auf einen wenig einladenden Balkon blickt. Dort draußen - über den Dächern der Nebentrakte - sieht man den Ennert jenseits des Rheins, aber auch die heruntergekommene Außenfassade der Beethovenhalle. Und noch ein Beispiel: Der gesamte Backstage-Bereich erstreckt sich über drei Etagen, verbunden mit engen Treppen. Wenn die Orchestermusiker von ihrem "Pausenraum" zurück in die Halle wollen, müssen sie durch schmucklose Gänge, an denen einem überall die Flickschusterei jahrelanger Instandhaltungsarbeiten auffällt. Als "katastrophal" bezeichnet Sommerey den Brandschutz hinter der hölzernen Bühnenwand. Dort hängt ein zweieinhalb Meter breiter Stromverteiler-Kasten - nur mangelhaft isoliert.
Und was kostet eine Sanierung?
Die Stadt geht von einem Betrag von deutlich über 20 Millionen Euro aus, eine genaue Kostenanalyse steht aber noch aus. Es geht unter anderem um: die Verbesserung der Akustik im großen Saal; die Sanierung der Dächer und der Fassade; den Umbau der Bühne, der Solisten- und Stimmzimmer; die Erneuerung der Lüftungs- und Klimatechnik; die Erneuerung der Brandmeldeanlage und -zentrale; eine neue Orchesterbestuhlung; die Verbesserung der Beleuchtung im Foyer; Austausch von Türen (Brandschutz); die Überarbeitung der Sicherheitsbeleuchtung; die Sanierung des Parketts; die Optimierung der Garderobe und Toilette
Interview mit Katharina von Hodenberg vom Beethovenfest.
GA: Ist die Beethovenhalle ein geeigneter Ort für das Beethovenfest?
von Hodenberg: Nein, es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, hochkarätige Konzerte in der Beethovenhalle durchzuführen.
GA: Stimmt es, dass berühmte Orchester abgesagt haben, weil sie nicht in der Halle spielen wollten?
Von Hodenberg: Das ist mir nicht bekannt. Letztlich ist es eine Frage der persönlichen Beziehungen und sicherlich auch der Gage. Leicht ist es aber nicht, berühmte Orchester für Auftritte in der Beethovenhalle zu gewinnen. Wir unternehmen da enorme Anstrengungen.
GA: Wie wichtig ist ein neues Festspielhaus für Bonn?
Von Hodenberg: Sehr, sehr wichtig! Bonn hat das Alleinstellungsmerkmal, Beethovens Geburtsstadt zu sein und hat diesem Erbe gegenüber auch eine sehr hohe Verpflichtung. Das Festspielhaus bietet die einmalige Chance, dieser Verpflichtung auf Dauer gerecht zu werden. (GA, 8.02.2010)