7. Dezember 2009
Für manchen ist die Beethovenhalle ein Kultobjekt. Jetzt räumt Luis Wüst, der 28 Jahre Geschäftsführer des Beethoven Orchesters war, mit dem Mythos auf. Hinter der Bühne sei die Halle im Zustand einer Bruchbude. Wüst: „Keine Toiletten im Zwischengeschoss, die Stimmzimmer der Musiker sind Kellerräume ohne Fenster mit hässlichen Belüftungsrohren, die regelmäßig ihren Dienst versagen."
Diese Räume seien zwar 40 Quadratmeter groß, dort müssten sich aber 31 Violinisten für die Auftritte umziehen - Männlein wie Weiblein schlüpfen in Frack und Abendkleid. Es gebe, so Wüst, weder eine Kantine noch eine Küche. Der Kaffee werde in der Besenkammer gekocht.
Aber nicht nur die Orchestermusiker leiden, auch die Stars. Zum Beispiel der behinderte Stargeiger Itzhak Perlman. Luis Wüst: „Als er in der Beethovenhalle auftrat, musste er mit dem Lastenaufzug auf die Bühne gehoben werden, weil es keinen behindertengerechten Zugang zur Bühne gibt - bis heute nicht." Wüsts Fazit: „Beethoven hätte sich für den Abriss der nicht mehr funktionsfähigen Halle entschieden." (Express Bonn)