Stadtdirektor bringt einen „Plan B“ ins Spiel
Kregels Vorschlag in der Diskussion
Für einige Aufregung sorgten am Wochenende die Ausführungen von Bonns Stadtdirektor Volker Kregel zu einem „Plan B" für den Standort des Festspielhauses. Er denkt nach einem Bericht des General-Anzeigers über das Gelände des Landesbehördenhauses an der B9 als Alternative nach. In der Bonner Musik- und Kulturszene erntete er Unverständnis.
Auszüge aus den GA-Berichten: Kregel bezeichnet seinen Vorschlag zwar ausdrücklich noch als "Plan B", doch ihm scheint die Variante sehr sympathisch. Mehrere Gründe sprechen, folgt man den Gedanken Volker Kregels, für einen Standortwechsel des Festspielhauses. "Die öffentliche Diskussion um den Erhalt der denkmalgeschützten Beethovenhalle hat massiv zugenommen", argumentiert er, was ein großer Unsicherheitsfaktor sei. Beim vorgeschlagenen Plan B gebe es deshalb eine sehr viel größere Planungssicherheit. Denn beim Landesbehördenhaus könnte ohne Verzögerung mit dem Abriss begonnen werden. "Und das Grundstück ist groß genug, den Hadid-Bau aufzunehmen", sagt Kregel. Dass die irakische Architektin ihren als "Diamant" bezeichneten Entwurf auf die Rheinlage hin entwickelt hat, stellt für Kregel eher kein Hindernis dar. Freilich müsste vorher geklärt werden, ob das Land Nordrhein-Westfalen als Eigentümer das Grundstück zur Verfügung stellt.
Da die Stadt dann kein Grundstück zur Verfügung stellen würde, stünde sie laut Kregel auch nicht mehr in der Verantwortung für die Gründung der Betreiberstiftung, deren Satzung derzeit unter Kregels Leitung erarbeitet wird. Wer dann aber einspringen würde, ist noch völlig offen. (...) Der Stadtdirektor schlägt nun eine andere Form der Beteiligung vor: Die Stadt Bonn leistet ihren Beitrag zur Finanzierung des Betriebs über langfristige Mietverträge - Kregel spricht von 20 Jahren -, die sie für das Beethoven Orchester und das Beethovenfest sozusagen als Untermieter mit der Betreiberstiftung abschließt. Damit läge die Verantwortung, etwaige Mindereinnahmen ausgleichen zu müssen, allein bei der Betreiberstiftung.
Der Vorschlag stößt in Bonns Musik- und Kulturszene auf Unverständnis. Zwar gibt es noch keine offiziellen Stellungnahmen, doch am Rande des Finalkonzerts der Beethoven Competition war der Vorstoß von Bonns Stadtdirektor beherrschendes Thema und wurde ebenso heftig wie emotional diskutiert. Eine zustimmende Meinung fand sich auch in den Reihen von Politik und Wirtschaft nicht. Im Beethoven Orchester stieß Kregels Vorschlag offenbar auf eine breite Ablehnung. Einen Umzug in Richtung Süden an die B 9 hält man hier wohl für keine gute Idee. In Gesprächen wurde stark bezweifelt, ob die Entwürfe von Zaha Hadid und Hermann & Valentiny für das Festspielhaus an dem alternativen Standort überhaupt zu realisieren seien. Auch die Folge, dass die Stadt Bonn weiterhin die Betriebskosten der dann nicht mehr für höherwertige kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stehenden Beethovenhalle finanzieren müsste, wurde an dem Abend diskutiert. Siehe auch Pressestimmen.