„Mut und Weitsicht sind gefordert“
Stimmungen und Planungen für das Festspielhaus
Die Vorbereitungen für eine Grundsatzentscheidung zum Festspielhaus laufen wie geplant. Doch das Projekt, nicht zuletzt aufgrund der Ereignisse um das World Conference Center Bonn, ist weiter in der Diskussion. Heinrich Küpper und Manfred Harnischfeger, beide Projektleiter bei der Deutschen Post DHL, äußern sich im Gespräch mit der Journalistin Angela Beckmann zu Stimmung, Diskussionen und weiteren Planungen.
Sie waren gerade im Kulturausschuss des NRW-Landtages. Wie ist die Stimmung für das Festspielhaus?
Küpper: Sehr gut. Die Informationen zur Stiftung Beethoven Festspielhaus Bonn durch Staatssekretär Große-Brockhoff und unsere Erläuterungen zum Architektenauswahlverfahren sind bei allen Fraktionen des Kulturausschusses auf Zustimmung gestoßen. Der Ausschuss brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass alle noch offenen Fragen im geplanten Zeitrahmen geklärt und die finanziellen Grundlagen für den laufenden Betrieb der Stiftung und die Durchführung der Baumaßnahme gesichert werden können. Der Wunsch, dass das Projekt insgesamt gelingen möge, wurde deutlich zum Ausdruck gebracht.
Und in Bonn?
Harnischfeger: Hier haben wir ebenfalls einen erkennbar starken und breiten Konsens, was die Bedeutung und Zukunftsträchtigkeit eines Festspielhaus-Projekts angeht. Niemand zweifelt wirklich an der Notwendigkeit, die Attraktivität und Magnetkraft Bonns und der Region weiter zu steigern - was mit einem solchen Haus der Musik maßgeblich geschähe. Es gibt - durchaus verständlich - noch eine gewisse Anhänglichkeit zur alten Beethovenhalle. So mancher ältere Mitbürger hat für sie gespendet; so mancher hat als Jugendlicher seine ersten Feste darin gefeiert. Aber diese Halle wird baulich und finanziell allmählich zur Last. Und Künstler und Orchester kommen zunehmend ungern in die Halle. Die meisten Menschen machen sich über die Zustände Backstage keine Vorstellung und auch nicht über den Renovierungsbedarf und die Kosten. Schade, aber sie bringt´s nicht mehr.
In Bonn ist beim Bau des World Conference Centers vieles schief gelaufen, es droht ein finanzielles Desaster. Hat das Ihrer Meinung nach Auswirkungen auf die Pläne für das Festspielhaus?
Harnischfeger: Psychologisch ist es nicht vorteilhaft, dass um das Weltkongresszentrum, das nahezu fertiggestellt ist, solcher Wirbel entstanden ist und solche Zweifel an einer ordnungsgemäßen Planung, Finanzierung und Durchführung bestehen. Aber es ist darauf hinzuweisen, dass beim Festspielhaus genau das Gegenteil geschehen wird: Planung und Bau werden in einer privatwirtschaftlichen Objektgesellschaft ohne Einfluss der öffentlichen Hand vorgenommen. Die Vorbereitungsarbeiten geschehen äußerst penibel, praxisorientiert, professionell und unter strengster Beachtung der Nutzeranforderungen. Alles, was künstlerisch, baulich und finanziell zu beachten ist, wird vorher abgeklärt.
Gerade die Politiker sind aber sicher vorsichtiger geworden?
Harnischfeger: Politiker in Bund, Land und Stadt wollen das Festspielhaus. Sie äußern sich naturgemäß in unterschiedlicher Lautstärke und Differenziertheit. Politiker versuchen Rücksicht zu nehmen auf wirkliche oder vermeintliche Bürger- bzw. Wählermeinungen, insbesondere in Wahlkampfzeiten. Da will man auch die Skeptiker oder Gegner des Festspielhaus-Projekts nicht verprellen. Da ist natürlich Taktik im Spiel.
NRW-Kulturstaatssekretär Große-Brockhoff hat beim Eröffnungskonzert des diesjährigen Beethoven-Festes auf bemerkenswert eindringliche Weise an die Bonner Politiker und Bürger appelliert, die einmalige Chance der Realisierung dieser großen Vision zu nutzen und diese ganz besondere Gelegenheit nicht in kleinlichen Diskussionen verstreichen und enden zu lassen. Mut und Weitsicht sind gefordert. Auch in der dicht besetzten rheinischen Kulturlandschaft hat ein schlankes und profiliertes Beethoven Festspielhaus eine gute Chance.
Was ist der Unterschied mit Blick auf die möglichen Bauherren?
Küpper: Vereinfacht ausgedrückt: Die Bauherren kommen alle aus Bonn und sind Bonn auf vielfältige Weise seit Jahren verbunden. Die drei Weltkonzerne wissen als börsennotierte Unternehmen sehr genau, wie penibel Kosten kalkuliert und eingehalten werden müssen. Wir haben weltweit schon viele Projekte realisiert, die vor dem Baubeginn komplett durchgeplant und finanziell abgesichert waren. Das wird auch beim Festspielhaus der Fall sein. Nach dem Startschuss wird es keine Änderungen und Sonderwünsche, also auch keine Überraschungen mehr geben.
Können Sie uns Argumente nennen, warum das Festspielhaus für Bonn wichtig wäre?
Harnischfeger: Es ist wichtig, nicht nur auf die kulturellen, sondern auch die wirtschaftlichen Aspekte eines solchen Projekts hinzuweisen. Im Stadtmarketing kann und muss Beethoven als Teil der Kernidentität der Stadt eine maßgebliche Rolle spielen, und somit verhilft Beethoven - vereinfacht gesagt - der Stadtwerbung und der Stadtentwicklung. Das Festspielhaus wird noch mehr nationale und internationale Besucher in die Stadt locken. Museums- und Klangmeile werden zum Markenzeichen der Stadt, und Wirtschaft, Handel und Gewerbe werden profitieren, vorausgesetzt sie selbst leisten ihren Anteil an Attraktivitätssteigerung und Erhöhung der Service-Qualität. Heutzutage fliegen niemandem mehr die "gebratenen Tauben" in den Mund. Die Hauptstadt-Zeiten sind vorbei. Bundeskunsthalle, Haus der Geschichte, Kunstmuseum, Oper, Theater, Pantheon, Brückenforum und auch das Festspielhaus brauchen eine anmutige, freundliche, offene und besucherfreundliche "Umgebung" seitens der Geschäftswelt.
Bis wann rechnen Sie mit einer grundsätzlichen Entscheidung pro Festspielhaus?
Küpper: Wir gehen davon aus, dass sich alle offenen Punkte in den kommenden Monaten wie geplant lösen lassen. Eine Grundsatzentscheidung für das Festspielhaus kann dann im 1. Quartal 2010 getroffen werden.
Wie sieht das weitere Vorgehen aus?
Küpper: Zur Vorbereitung der Entscheidung arbeiten die Architektenteams von Hadid und Valentiny jetzt die Anregungen aus den Beratungen der Expertengremien Architektur und Akustik und die ergänzenden Nutzeranforderungen der künftigen Nutzer Stiftung, Beethovenfest und Beethoven Orchester in die Entwürfe ein. Die Höhe der Baukosten wird dann basierend auf aktuellen Marktpreisen durch Baufirmen kalkuliert. Nach einer Grundsatzentscheidung kommen dann zunächst die Phasen Bebauungsplan sowie Bauantrag, Ausführungspläne und dann das Baugenehmigungsverfahren.
Es geistern viele Daten herum. Wann wollen sie das Festspielhaus eröffnen?
Küpper: Es ist sicher zu früh, sich schon festzulegen, da alle Verfahren ihre Zeit brauchen. Wenn alles reibungslos klappt, wäre unser Wunsch, dass wir im Sommer 2013 das Haus eröffnen können.